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Aktuelle ThemenÖffentlicher Auftakt zum Bürgerbegehren „Rettet die Herbert-Anlage“ Am 26. April hat die Koalition beschlossen, eine massive Bebauung in die Herbert-Anlage hinein zu erlauben. Am nächsten Tag hat die Unterschriftensammlung zum Bürgerbegehren begonnen. Offenbar ist das Interesse der Bevölkerung groß, es haben sich viele gemeldet, die ihrerseits Unterschriften einholen wollen. Die Bürgerliste und die Grünen wollen ab dieser Woche regelmäßig in der Stadt präsent sein, und zwar an folgenden Stellen: Dernsches Gelände, Mauritiusplatz/Kirchgasse und Hauptbahnhof/Eingang zu den Reisinger-Herbert-Anlagen. Der Auftakt für die Unterschriftensammlung an Ständen ist am Samstag, dem 5. Mai, 10.00 h – 14.00 h, und zwar Ecke Mauergasse/Marktstraße. Die Bürgerliste und die Grünen werden dort je einen Stand haben. Zwischen 11 und 13 Uhr wird Ulrike Altenheimer anwesend sein, die Urenkelin des Apothekers Herbert, der der Stadt die Anlage gestiftet hat. Informationen finden Interessierte auf der Website www.HERBERTANLAGE.de. Dort ist auch die Geschichte der Herbert-Anlage bildlich dargestellt. Laden Sie sich hier das Formular zum Bürgerbegehren herunter: Standort Rhein-Main-Hallen Am Donnerstag beschließt die Koalition über den Standort für den Neubau der Rhein-Main-Hallen gemäß ihrer Interpretation der Bürgerbefragung. Sie will in die denkmalgeschützten Herbert-Anlagen hineinbauen, verbirgt diese Absicht aber unter windigen Formulierungen, die den Eindruck erwecken sollen, es werde alles halb so schlimm. Tatsächlich wird nur gesagt, die Wandelhalle solle vom Park aus (nicht von der Friedrich-Ebert-Allee aus!) sichtbar bleiben. Damit wird eine massive Bebauung bis nah an die Wandelhalle möglich. Die Bürgerliste hat einen Änderungsantrag zu dem der Koalition gestellt, um diese zu zwingen, Farbe zu bekennen: als Grenze der Bebauung wollen wir den Verbindungsweg zwischen Friedrich-Ebert-Allee und Kronprinzenstraße festlegen. Sollte die Koalition unseren Änderungsantrag ablehnen, wird die Bürgerliste zusammen mit den Grünen ein Bürgerbegehren organisieren. Die Vorbereitungen dazu sind in Gang.
Michael von Poser
Bürgerbefragung Standort Rhein-Main-Hallen Ab Montag, dem 19. März, beginnt die Bürgerbefragung. Die Telefonbefragung wird wenige Tage in Anspruch nehmen, daneben können die Wiesbadener freiwillig im Zeitraum von 14 Tagen ihre Meinung in der Mauritius-Galerie zu Protokoll geben. Sie müssen das nicht am Computer, sie können das vor Ort auch handschriftlich tun. Die denkmalgeschützten Herbert-Anlagen dürfen nicht angetastet werden! Als die IHK den Vorschlag gemacht hatte, die Rhein-Main-Hallen in die geschützten Anlagen zu bauen, gab es mit Recht einen Sturm der Entrüstung. Jetzt wartet die Koalition wieder mit einem solchen Plan auf und will sich mit einer Bürgerbefragung die Erlaubnis holen, den Denkmalschutz über den Haufen zu werfen.
Endgültig werde das im Architektenwettbewerb geklärt, heißt es. Diese Behauptung halten wir für abwegig, da die Architekten feste Vorgaben bekommen und nicht selbstherrlich entscheiden können, wie weit in den Park gebaut wird. Hier handelt es sich um eine Irreführung der Bevölkerung. Michael von Poser Zum Standort des Neubaus der Rhein-Main-Hallen Neue Wendung: die Grünen schlagen die Wilhelmstraße vor, wo das Stadtmuseum entstehen sollte (inzwischen sind die Grünen vehement gegen diesen Standort). Nun kaprizieren sich CDU und SPD auf die Wilhelmstraße und bringen jede Menge Gutachten bei, um zu erweisen, daß dieser Standort möglich und gut ist. Neuer Aufschrei: Der Leiter der Landesdenkmalpflege Weiß, der noch so ziemlich alles in Wiesbaden zugelassen hat und nach unserer Kenntnis keine Einwände gegen den Bau des Stadtmuseums an derselben Stelle hatte, zeigt eine nie gesehene Härte und kündigt an, er werde den Bau an der Wilhelmstraße nicht genehmigen. Auch Jörg Jordan von der SPD wendet sich lautstark und mit guten Argumenten gegen diesen Standort. Neue Aufregung, in aller Eile wird eine Bürgerbefragung beschlossen: die Wiesbadener sollen sich entscheiden zwischen Wilhelmstraße oder Umklappvariante in die denkmalgeschützten Anlagen hinein, also zwischen Pest und Cholera. Für uns kommt die Wilhelmstraße nicht in Frage, da die Verkehrs- und Anlieferungsprobleme nicht lösbar sind, für die Halle keine weitere Ausdehnungsmöglichkeit vorhanden ist und die Gefahr einer architektonischen Verunstaltung der Rue besteht. Die BLW favorisierte zunächst als Standort den Busbahnhof an der Mainzer Straße. Da wäre Platz genug gewesen für die Hallen, ganz abgesehen von der verkehrsmäßigen Erreichbarkeit. Dieser Vorschlag wurde weggewischt mit der Behauptung, für die Veranstaltungsbesucher sei das zu weit weg. Den Unterschied zwischen unserer Verschiebevariante und der von der Koalition vorgesehenen Umklappvariante, die zum Zwecke der Vernebelung modifizierte Verschiebevariante genannt wird, wollen wir mit den unten stehenden Graphiken deutlich machen. Als Grundlage dient die Fläche des für die Wilhelmstraße geplanten Gebäudes, das ja Idealgröße haben soll, es sind 10.700 qm. Bei der Umklappvariante wird diese Fläche an die bestehenden Hallen in ihrer ganzen Größe südlich angesetzt. Man sieht auf dem Bild deutlich, in welchem Umfang man die Herbert-Anlagen antasten würde, das Ensemble wäre durch den zu nah gerückten Großbau ruiniert.
Die BLW wird alles unternehmen, um zu verhindern, daß in einer Bürgerbeteiligung nur die Alternativen Wilhelmstraße und Umklappvariante zur Wahl stehen. Die denkmalgeschützten Anlagen stehen für uns nicht zur Disposition, deshalb müssen sich die Bürger für eine Variante entscheiden können, bei der die Herbert-Anlage nicht in Anspruch genommen wird. Das kann nach unserer Meinung nur die Verschiebevariante sein. Wir haben einen entsprechenden Antrag für die nächste Stadtverordnetenversammlung gestellt.
Landschaftsverbrauch in Wiesbaden In Hessen werden täglich 3,6 Hektar Landschaft verbaut, die fortschreitende Zersiedelung wird
allseits beklagt. Das hindert unsere Politiker nicht, weitere Baugebiete auch in
Landschaftschutzzonen ausweisen zu wollen. So wurde in der letzten
Stadtverordnetenversammlung ein Antrag der CDU mit den Änderungswünschen der SPD
angenommen, in welchem zahlreiche solcher Flächen aufgeführt sind.
Diese Flächen befinden sich fast alle am Rande der östlichen Vororte. Wie problematisch
dieses Vorgehen ist, zeigt das Beispiel Breckenheim. Der Ortsbeirat dort will vier Baugebiete
ausweisen, die sich zum Teil in Landschaftschutzzone 1 befinden. Diese Gebiete wurden
bereits vom Magistrat geprüft und bis auf eins, südlich des Friedhofs, als ungeeignet
verworfen. Sie sollen jetzt noch einmal geprüft werden, wobei die SPD in Breckenheim zu
Protokoll gibt, sie sei nur für das eine Baugebiet, im Stadtparlament aber für alle vier eintritt. Michael von Poser Einer der Punkte der Tagesordnung des Umweltausschußes vom 16.12.2010 war die „1. Fortschreibung des Luftreinhalteplanes für den Ballungsraum Rhein-Main“. Dahinter verbarg sich ein Maßnahmenkatalog, der zur Reduzierung der Stickstoffdioxidwerte in Wiesbaden führen soll, da die Grenzwerte an der Meßstation Ringkirche mehrfach überschritten wurden und das Land Hessen die Stadt Wiesbaden nun auffordert zu handeln. Mit den vorgesehenen Maßnahmen soll auch die Feinstaubbelastung gesenkt werden. Eine Modellrechnung (keine Messung!) hatte ergeben, daß im weiteren Verlauf des Kaiser-Friedrich- Rings und der Schiersteiner Straße eine hohe Überschreitung des PM10-Grenzwertes (Feinstaub) vorliegt. Der dem Land Hessen vorzulegende Maßnahmenkatalog beinhaltet u.a.: 1. Einführung von Durchfahrtsverboten
für LKW > 3,5 t. Die im Umweltausschuß vertretenen Parteien CDU, SPD und Grüne stimmten allen Maßnahmen zu, die FDP stimmte nur gegen die Einführung der Umweltzone, die BLW stimmte diesem Maßnahmenkatalog in seiner Gesamtheit nicht zu. Wir sind der Meinung, daß ein Großteil der vorgeschlagenen Maßnahmen nicht zu einer Verbesserung der Luftqualität in den betroffenen Bereichen führen werden, unnötigen bürokratischen Aufwand erfordern, nicht praxisgerecht sind und teilweise nicht in die Zuständigigkeit der Stadt Wiesbaden fallen, sondern EU-, Bundes- und Landessache sind. Weiterhin sind
einzelne Maßnahmen bereits vom Stadtparlament mit den Stimmen
der BLW beschlossen worden, z. B.
die Beschaffung umweltverträglicher
Fahrzeuge im kommunalen Thorsten Reiß Soll die Stadt auch in Zukunft für den Ball des Sports zahlen? Der Ball des Sports ist eines der herausragenden gesellschaftlichen Ereignisse in Deutschland und als Wiesbadener finde ich es natürlich sehr gut, dass eine solche Veranstaltung in unserer Stadt stattfindet, zumal die Förderung des Sports eine wichtige Aufgabe darstellt. Doch bei genauerem Hinsehen stellt sich die Frage, ob es zu den Aufgaben einer defizitären Kommune gehört, jedes Jahr rund 400.000 EUR Steuergelder dafür aufzuwenden, dass dieser Ball hier stattfinden kann.
Michael von Poser
Stadtentwicklung und Architektur in Wiesbaden - einst und jetzt Das Manuskript zum Vortrag, den Michael von Poser am 25. Februar 2010 im Presseclub Wiesbaden gehalten hat. Lesen Sie hier mehr.....
Und wieder wird die Wiesbadener Den Wiesbadener Tageszeitungen war zu entnehmen, daß das in der Baugrube Mauergasse/Dernsches Gelände entdeckte, 13 m lange und noch 2 m hoch erhaltene Stück der alten Stadtmauer nach der archäologischen Dokumentation gleich abgerissen wird.
Damit ist ein weiteres Relikt der Wiesbadener Vergangenheit unwiederbringlich zerstört. Darauf, daß an dieser Stelle archäologische Funde und Befunde zu erwarten sind, hat die BLW in den entsprechenden Ausschußsitzungen des Öfteren hingewiesen. Ernst genommen wurden diese Hinweise nicht. Während man in vielen anderen Städten, wie z.B. Mainz (Isis-Heiligtum), bemüht und stolz ist, solche Relikte zu erhalten und in die Neubebauung zu integrieren, wird in Wiesbaden beseitigt. Ein Umdenken findet nicht statt. Auch die 1988 beim Bau der Mauritiusgalerie entdeckten und ebenfalls noch über 2 m hoch erhaltenen Reste der Stadtmauer wurden einfach abgerissen, anstatt sie als historische Attraktion in die Einkaufspassage zu integrieren.
Viel wichtiger, und ein in seiner Bedeutung für die Wiesbadener Stadtgeschichte unterschätzter Befund, ist jedoch die Entdeckung eines römischen Spitzgrabens in der Baugrube an der Mauergasse. Typisch für römische Militäranlagen, könnte er auf die Existenz eines weiteren römischen Militärlagers in der Wiesbadener Innenstadt hinweisen, zumal sich 1906 bei Ausschachtungsarbeiten zur Erweiterung des katholischen Schwesternhauses in der Friedrichstraße (heute befindet sich hier das Roncalli-Haus) und auch 1926 beim Bau der Erweiterung des Regierungsgebäudes an der Bahnhofstraße, ebenfalls römische Spitzgräben fanden. Ein zu vermutendes Erdkastell wäre also südlich der Mauergasse anzusiedeln und nicht in Richtung Landtag. Anstatt nun die einmalige Chance zu nutzen und die Baugrube großflächiger und ohne Zeitdruck zu untersuchen, wird weggebaggert.
Thorsten Reiß Minister Weimar will den Abriß eines denkmalgeschützten Gebäudes
In der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 14.05.09 wurde nach langer Diskussion und namentlicher Abstimmung mehrheitlich beschlossen, dem Land 10 Millionen EUR für Sanierungsmaßnahmen und zur Aufwertung des Areals des Gerichtsgebäudes zur Verfügung zu stellen. Wörtlich heißt es in dem Beschluß: „... dabei die wesentlichen städtebaulichen Anforderungen der Landeshauptstadt Wiesbaden, wie eine städtebaulich, stadtgestalterisch und denkmalpflegerisch verträgliche Baumassenverteilung, ... die Gebäudehöhen der umgebenden Bebauungen mit einem besonderen Augenmerk auf den denkmalgeschützten Baubestand, ... zu berücksichtigen“. Dem WT vom 03.06.09 war zu entnehmen, daß Hessens Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) das denkmalgeschützte Beamtenwohnhaus an der Oranienstraße und die ebenfalls denkmalgeschützten letzten Reste der Gefängnismauer nun beseitigen möchte, um das Areal für die geplante Bebauung durch die EBS freizuräumen.
Das um 1875 entstandene Beamtenwohnhaus wurde zusammen mit dem Landgerichtsgefängnis errichtet. Das Gefängnis hat man 1996 sinnloserweise abgerissen und die so entstandene Brache stellte jahrelang einen innerstädtischen Schandfleck dar. Ebenfalls abgerissen wurden Teile der Einfriedungsmauer an der Albrechtstraße, nur an der Oranienstraße ist sie noch komplett erhalten. Für einen guten Architekten sollte es kein Problem darstellen, die beiden Objekte in eine Neubebauung zu integrieren. Man muß es nur wollen. Von einem Abriß denkmalgeschützter Substanz zu Gunsten der EBS war jedenfalls nie die Rede und dieses muß verhindert werden.
Es ist schon verwunderlich, welche unterschiedlichen Maßstäbe der Staat beim Denkmalschutz anlegt, wenn er selbst bzw. ihm genehme Organisationen, mit Steuergeldern finanzierte Projekte verfolgen (für das Vorhaben der EBS sollen über 35 Millionen EUR von Stadt und Land zur Verfügung gestellt werden). Ein Privatmann dürfte sich einen solchen Umgang mit denkmalgeschützten Objekten nicht erlauben. Es wäre wünschenswert, wenn der Vorstoß des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen vom 25.03.09, Denkmal-, Kulturgüter- und Welterbeschutz in Deutschland als Staatsaufgabe von hohem Rang zu verankern, Aussichten auf Erfolg hätte. Dann könnten auch Politiker wie Karlheinz Weimar Belange des Denkmalschutzes nicht mehr einfach ignorieren. Thorsten Reiß Michael von Poser
Im Rahmen der Hochwasserschutzmaßnahmen am Rambach soll, da dann die nötigen Gelder vorhanden sein werden, der Hofgartenplatz umgestaltet werden. Dabei soll die Idee aufgegriffen werden, den Rambach im Bereich Hofgartenplatz teilweise wieder freizulegen. Auf Antrag der Fraktion Bürgerliste Wiesbaden wurden die offenbar schon lange ausgearbeiteten und mit dem Ortsbeirat besprochenen Pläne im Ausschuß für Planung, Bau und Verkehr vorgestellt. Kritik kam nur von Seiten unserer Fraktion. Die grundsätzlich erstrebenswerte Freilegung des Baches wird in der städtischen Planung mit Baumaßnahmen begleitet, die das Bild des Sonnenberger Ortskerns zerstören. Wir halten die städtische Planung für verfehlt, wir möchten das begründen und einen andern Lösungsvorschlag machen. Die städtische Planung sieht vor, daß das Wasser des Rambachs ziemlich weit vor dem Punkt, wo dieser in den Untergrund geht, geteilt wird. Ein Teil läuft in dem vorhandenen Rohr weiter, ein anderer Teil wird durch ein neues Kanalrohr abgezweigt und dann entlang der Kante des Hofgartenplatzes in einem offenen Kanal geführt, der ca. 2,5 m tief ist. Aus Sicherheitsgründen muß er zur Straße hin mit einer relativ hohen Betonmauer abgeschirmt werden. Zum Platz hin wird er durch eine weitläufige Terrassierung zugänglich gemacht. Da diese Terrassen sehr viel Raum beanspruchten, fallen eine Menge Parkplätze weg. Für diese soll Ersatz geschaffen werden, indem der Hang neben der Ortsverwaltung teilweise abgetragen und mit einer unschönen Mauer abgestützt wird. Gegen einen solchen Umbau des Hofgartenplatzes ist einzuwenden:
Der Platz eignet sich nicht mehr für Kerb und Flohmarkt. Die Fraktion Bürgerliste Wiesbaden schlägt in Zusammenarbeit mit dem Sonnenberger Ortsbeiratsmitglied Gert Apfelstedt stattdessen vor:
Zu der Illustrierung unseres Vorschlags:
Die Zeichnung ist nur eine Anmutung, wie der Platz mit einer naturnahen Gestaltung des Bachlaufes aussehen könnte. Es geht nicht um die Festlegung von Einzelheiten. Eine der Ideen dabei ist, daß der Platz stärker eingegrünt wird, um die Automassen weniger auffällig zu machen. So könnte ähnlich wie am Dernschen Gelände, aber niedriger, durch eine Einfassung mit begrünten Drahtgittern das Platzbild verbessert werden. Dr. Michael von Poser Thorsten Reiß
Häßlichste Neubauten der letzten zehn Jahre 1. Vorschläge aus der Bevölkerung Die Fraktion Bürgerliste hat diesen Wettbewerb im letzten Jahr ausgeschrieben. Wir haben 243 Einsendungen mit insgesamt 301 Vorschlägen erhalten, d.h. einige Einsender haben mehrere Gebäude genannt. Es wurden 42 Objekte vorgeschlagen, von denen 25 die Wettbewerbsbedingungen erfüllten. Bei einigen Vorschlägen handelt es sich nicht um Gebäude, sondern um Plätze oder eine Bushaltestelle (am Hauptbahnhof). In andern Fällen ist das vorgeschlagene Gebäude deutlich älter als zehn Jahre (z.B. Welfenhof). Einige vorgeschlagene Bauten sind nicht fertiggestellt, so daß das Preisgericht die Fassadengestaltung nicht beurteilen konnte (z.B. Justiz- und Verwaltungszentrum). Das Votum der Bevölkerung sieht so aus:
Es folgen: Im Bildteil weiter unten zeigen wir alle vorgeschlagenen Gebäude.
2. Entscheidung des Preisgerichts Das Preisgericht hat am 30. Januar getagt. Preisrichter waren die folgenden Personen:
Das Preisgericht beurteilte die Gebäude nach 3 Kriterien:
In jeder Kategorie konnten vier Punke von 0 – 3 vergeben werden, Das Ergebnis der Preisgerichtssitzung stellt sich wie folgt dar: Platz 1: Luisenforum (44 Punkte)
Platz 2: Neubauten Paulinenstraße 9 (39 Punkte)
Café Alex
Amselberg 11+13
Bistro am Hofgartenplatz Sonnenberg
Platz 5: Cafe Lumen (34)
3. Beurteilung des Luisenforums, der Neubauten in der Paulinenstraße und der Irenenstraße durch das Preisgericht: Luisenform (Architekten: Gatermann + Schossig, Köln): Das Gebäude negiert die städtebauliche Umgebung, wirkt aggressiv, soll offenbar ein Affront sein und wird immer ein Fremdkörper bleiben, kakophonische Gesamtwirkung. Übermächtig und rein kubisch, ohne mildernde Gliederung. Die Brücke, die schlimmer ist als der Vorgängerbau, zerstört die Sichtachse, mit unangenehmen Spiegeleffekten, nimmt nicht die Farbe und Form des Hauptgebäudes auf. Unmögliche Farbgebung (grelle Mode- und Warnfarbe), abstoßend glatte Platten als Verkleidung, bloße austauschbare technische Haut eines Konsumtempels. Neubauten Paulinenstraße 9 (Architekt: Hans-Peter Gresser, Wiesbaden): Ein besonders unerfreuliches Beispiel für Nachverdichtung an prominenter Stelle in einem Villengebiet. Keinerlei Rücksichtsnahme auf den Charakter der Nachbargebäude. In der Höhe orientiert sich das Neue allein an dem einzig wirklich großen Gebäude an der Ecke. Die hintereinander gesetzten Bauten wirken als eine zusammenhängende Masse ohne Auflockerung. Die protzigen Balkone ergeben den Eindruck der Formlosigkeit, ihre Einfassungen sind zum Teil aus einer Art bläulichem Plexiglas. Ansonsten dominiert ein totes Weiß, das hier überhaupt nicht hineinpassen will. Das Ensemble Paulinenstraße ist in unverantwortlicher Weise beschädigt. Irenenstraße 1 (Architektin Rosemarie Otterbach, Wiesbaden): Auffällig häßliche, effekthascherische Architektur, die in einem ursprünglich zurückhaltenden durchgrünten Wohngebiet wie ein Faustschlag wirkt. Gadenlose Ausnutzung der Ecksituation. Aufmotzung mit modischen Bauelementen wie den angeklebten Kuben und Spinnebeinsäulen Ein Sammelsurium von Farben und Materialien. Gesamteindruck: ein aufspielerischer und mißglückter Gag.
4. Weitere Bemerkungen Einerseits erweist die große Zahl von Vorschlägen, daß die Bevölkerung sehr viel häßliche Architektur wahrnimmt, was zu denken geben muß. Andererseits ist es auffällig, daß einige Neubauten der letzten Zeit gar nicht genannt wurden (Beispiele: das neue Karstadtgebäude oder das Eckhaus Faulbrunnenstraße / Kirchgasse). Es wäre interessant herauszufinden, welche Neubauten akzeptabel erscheinen und warum. Das Preisgericht hat in einigen Fällen in den verschiedenen Kategorien ganz verschiedene Noten erteilt. Das Café Central am Mauritiusplatz etwa ist seiner Größe und städtebaulichen Einfügung gut beurteilt, als Architektur und in der Farbgebung als mißlungen eingestuft worden. Unter den Gebäuden, die bei der Beurteilung sehr schlecht weggekommen sind, sind einige das Ergebnis von Architekturwettbewerben (Luisenforum, Justiz- und Verwaltungszentrum, das letztere wurde vom Preisgericht nicht behandelt, weil es nicht fertiggestellt ist). Solche Wettbewerbe sind also kein Heilmittel gegen Häßlichkeit. Zumindest ein als besonders mißraten eingestuftes Gebäude hat einen Preis für gelungene Architektur erhalten, nämlich das Café Central am Mauritiusplatz. Mitglieder des Architektenbeirats, die die Stadtplaner beraten, sind mit eigenen Gebäuden auf den vordersten Plätzen vertreten: Neubauten Paulinenstraße, Kindergarten Marktkirche. Hier tut sich eine Kluft zwischen der offiziellen Belobigung von Gebäuden und der Einschätzung durch die Bevölkerung auf. Eine repräsentative Umfrage könnte noch mehr Klarheit schaffen.
5. Kleine Zitatauswahl aus Zuschriften Luisenforum
Georg Bausch
Bettina Bobel-Stackfleth
Gerhard Heß
Günter Schaefer Lumen
Günther Behrens
Manfred Pfau Justiz- und Verwaltungszentrum
Ferdinand Georgen
Jonas Wirth
Gerhard Strauch Kindergarten an der Marktkirche
Bernhard von Issendorff Hessischer Landtag
Adolf Mozdrzen
6. Preisträger Die Preisträger wurden durch Losverfahren aus den Zuschriften ermittelt. Der 1. Preis (Spielmann-Atlas als CD-Rom mit Begleitbuch) geht an Herrn Georg Bausch ; der 2. Preis (Wilfried Koch, Baustilkunde) an Herrn Jochen Elbert; der 3. Preis (Jonathan Glancey, Architektur) an Frau Heidemarie Pühl.
Bildteil mit den restlichen vorgeschlagenen Gebäuden
Die komplette Dokumentation zum Preiswettbewerb können Sie sich hier als pdf-Datei herunterladen.
Als wir unseren Wettbewerb ausschrieben, wußten wir nicht, daß in Stuttgart vorher etwas Ähnliches stattgefunden hatte. Auslober war dort die Stiftung Architekturforum Baden-Württemberg, der Wettbewerb lief unter dem Titel: „Stuttgart soll schöner werden“. Die Bürger waren aufgefordert, „Ungenügendes, Unbefriedigendes, Schwarzfälle, das Häßliche zu dokumentieren“. In der Schrift dazu heißt es: „Das Echo des Wettbewerbs war überwältigend, 120 Teilnehmer/innen haben 350 Motive eingereicht“. Stuttgart hat etwa doppelt so viele Einwohner wie Wiesbaden. Wir haben bei unserm Wettbewerb fast 250 Zuschriften mit über 300 Vorschlägen bekommen. Wir halten das für ein gutes Ergebnis, zumindest übertrifft es das „überwältigende Echo“ in Stuttgart. Es ist nicht repräsentativ, kein Zweifel, aber doch ein deutlicher Hinweis. Eine repräsentative Umfrage zur Architektur wäre nur zu wünschbar. Aktuelle Themen Archiv: Der Verdi-Container auf dem Luisenplatz Sauberkeit an Wiesbadens Bushaltestellen Aktuelles aus dem Umweltausschuß
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